TIF 105: Die Kontroverse um die Knabenbeschneidung

TIF 105: Die Kontroverse um die Knabenbeschneidung
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Beschreibung

Ausgabe 105 – Oktober 2012

Das so genannte «Beschneidungs-Urteil» des Landgerichtes Köln vom 7. Mai 2012 hat in Deutschland, in der Schweiz und weiteren Staaten eine äusserst hitzige Debatte ausgelöst. Das Landgericht betrachtet die rituelle Beschneidung von nicht urteilsfähigen Kindern als Körperverletzung des Kindes, die nicht seinem Wohl dient. Wichtig ist: Die Richter haben nicht die Beschneidung an sich zur Straftat erklärt, sondern die Beschneidung von nicht urteilsfähigen Kindern. Das Gericht befand, dass es den Eltern zumutbar sei, mit der Beschneidung zuzuwarten, bis ihre Söhne selbst entscheiden können, ob sie sich beschneiden lassen wollen oder nicht. Nach diesem Urteil weigerten sich einige Ärzte in verschiedenen europäischen Staaten weitere Beschneidungen durchzuführen. Auch das Kinderspital Zürich erliess für kurze Zeit ein Beschneidungsmoratorium, um über die Knabenbeschneidung nachzudenken. Die betroffenen religiösen Gemeinschaften dagegen reagierten verletzt und empört auf dieses Urteil. Sie betrachten diesen Richterspruch als Angriff auf ihren Glauben und ihre Tradition.

Bei der Debatte über die Knabenbeschneidung stehen sich zwei Menschenrechte gegenüber: Das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit. Das Kölner Urteil stellte ersteres über die Religionsfreiheit. Auch in der Schweiz gilt prinzipiell jeder Eingriff in den Körper eines anderen Menschen als Körperverletzung. Eine Operation ist nur straffrei, wenn der Patient seine Zustimmung dazu gegeben hat, respektive wenn man von dieser Zustimmung ausgehen kann (bei der Operation eines bewusstlosen Verletzten zum Beispiel). Bei Kindern liegt die Entscheidungsgewalt bei den Eltern. Sie sind juristisch gesehen in ihrer Entscheidung aber nicht frei, sondern an das Wohl des Kindes gebunden. Sie dürfen keine Entscheidung treffen, die dem Wohl des Kindes schadet. Dient die rituelle Aufnahme eines Säuglings in eine Religionsgemeinschaft seinem Wohl oder nicht? Dürfen Eltern dafür den Körper des Kindes irreversibel zeichnen lassen? Und falls ja, bis zu welchem Grad ist eine Körperverletzung im Namen des spirituellen oder sozialen Wohls dem Kind zuzumuten, beziehungsweise ab wann ist sie strafbar?

Diesen und weiteren Fragen widmet sich diese Ausgabe des «Thema im Fokus».

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  • «Gentech-Babys zu er­schaf­fen, ist noch viel zu ris­kant» – unter die­sem Ti­tel hat die NZZ am 7. Sep­tem­ber 2020 einen Ar­ti­kel pu­bli­zi­ert, in dem vor Ein­grif­fen in die mensch­li­che Keim­bahn ge­warnt wird. Vor zwei Jah­ren hat die Welt scho­ckiert auf ein ent­spre­chen­des Vor­pre­schen des chi­ne­si­schen Bio­che­mi­kers He Jian­kui re­agiert.

    Die Ein­mi­schung in na­tur­ge­ge­be­ne Ge­stalt mensch­li­chen Le­bens ist eine Re­a­li­tät, in den meis­ten Fäl­len zum Woh­le der Mensch­heit. Und sie ist ein Ge­schäfts­mo­dell, das bei Frau­en, die ihren Kin­der­wunsch auf dem na­tür­li­chen Weg nicht er­fül­len kön­nen, be­son­ders ver­fängt.

    «Mensch­li­che Re­pro­duk­ti­ons­me­di­zin – vom in­ti­men Er­eig­nis zum zer­ti­fi­zier­ten Pro­duk­ti­ons­pro­zess», die­sem The­ma ist diese Aus­ga­be des Ma­ga­zins «The­ma im Fo­kus» ge­wid­met. Wir schau­en hin und wol­len wis­sen: Ist sie mehr Se­gen für alle jene Men­schen, die dank ihr Mut­ter, Va­ter, El­tern wer­den konn­ten? Oder Fluch für die frucht­los Zu­rück­ge­blie­be­nen? Ist sie aus der ge­sell­schaft­li­chen Per­spek­ti­ve Chance oder Ge­fahr?

     

    Die Zeitschrift Thema im Fokus rich­tet sich an Fach­per­so­nen aus dem Ge­sund­heits- und So­zial­we­sen und al­le an ethi­schen Fra­gen in un­se­rer Ge­sell­schaft In­te­res­sier­ten. Sie wid­met sich ethi­schen Fra­gen im Ge­sund­heits­we­sen und in der Zi­vil­ge­sell­schaft.

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