Kommentar zur Zeit vom 20. August 2019

Die vielschichtige Kommunikation in Einrichtungen des Gesundheits­wesens – 
ein Kern­thema der Ethik im Gesundheits­wesen

In der hochspezialisierten und fragmentierten Behandlung und Betreuung der Hilfesuchenden im heutigen Gesundheitswesen werden der Informations­austausch und der direkte Dialog zwischen ihnen und den Fach­kräften sowie unter diesen selbst immer wichtiger.

Die Digitalisierungs­technologie schafft neue, effizientere Informations­möglichkeiten. Schweizweit wird heute viel in den digitalen Informations­austausch investiert. Dieser ersetzt aber den inter­disziplinären und inter­professionellen Dialog zur Ein­schätzung der erhobenen Daten und die ethischen Abwägungs­prozesse für das einem Menschen angemessene und für die beteiligten Fach­personen vertretbare Handeln nicht. Fakten­informationen bilden eine zwar notwendige, aber nicht ausreichende Voraussetzung für eine professionelle Entscheidungs­findung. Bei dieser bedingen sich Informations­austausch und wertende Einschätzung im Dialog gegenseitig, gleichsam wie die zwei Seiten einer Medaille.

Die menschliche Kommunikation und der Dialog als eine Form davon bilden ein ganz­heitliches Geschehen, zu dem sowohl Ausdruck und Form der menschlichen Sprache und die transportierten Inhalte als auch die innere und die nach aussen gerichtete Haltung eines Menschen, inklusive seiner Körper­haltung, gehören. Man unter­scheidet in diesem Zusammen­hang oft auch zwischen verbaler und nicht­verbaler Kommunikation. Der Mensch, dem die Fähigkeit zum Nach­denken eigen ist, kann genauso wenig nicht nicht kommunizieren (vgl. Paul Watzlawick, 1921–2007), wie er sich nicht nicht entscheiden und sich nicht nicht unter moralischen Gesichts­punkten verhalten kann. Auch nichts zu tun, sich nicht zu entscheiden oder zu schweigen, sind eine Form der Kommunikation. Diese ist eng mit Sitte, Moral und Ethik in einer Gesellschaft verbunden und gehört untrennbar zum Menschsein, denn nur der Mensch hat im Unter­schied zu anderen Lebewesen die Freiheit, der Welt bewusst zu begegnen und sich dabei unter­schiedlich zu verhalten. Daraus erwächst ihm auch die Verantwortung für sein Handeln. Um diese im Bereich des Gesundheits­wesens heute wahrnehmen zu können, braucht es den inter­professionellen Dialog, der die Perspektiven- und Ansatz­vielfalt garantiert, die notwendig ist, um Situationen angemessen einschätzen zu können. Die komplexen und viel­schichtigen Frage­stellungen im Gesundheits­wesen verlangen einen Dialog nach allen Seiten. 

Das Gespräch mit den Betroffenen und dasjenige unter den beteiligten Fach­personen zur gemeinsamen ethischen Reflexion und Entscheidungs­findung in gesundheit­lichen Belangen bilden ein Kern­thema der Ethik im Gesundheits­wesen. Für den inter­disziplinären und inter­professionellen Dialog von Angesicht zu Angesicht braucht es gleich hohe Qualitäts­standards, wie sie beim digitalen Informations- und Fakten­austausch angestrebt werden. Es wäre darum wünschens­wert, dass er ebenso allgemein­verbindliche Standards und Kriterien erfüllen müsste.

Dr. theol. Ruth Bau­mann-Hölzle
Institutsleiterin

 

© Stiftung Dialog Ethik, Zürich, 2019

Aktuell

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Kurse und Events

Kostenlose Jubiläums­veranstaltung: «Persönlich vorsorgen – was es dazu braucht»

Donnerstag, 26. September 2019
14.00 bis 16.00 Uhr
Kulturpark Zürich, 8005 Zürich

An­läss­lich un­se­res 20-Jahr-Jubi­läums la­den wir Sie ganz herz­lich zu un­se­rer In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung über me­di­zi­ni­sche und recht­li­che Fra­gen der Vor­sor­ge ein. Da­bei wer­den Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten Aus­kunft über ver­schie­de­ne As­pek­te ge­ben.

Die­se Ver­an­stal­tung ist gratis. Da die Platz­zahl be­schränkt ist, bitten wir Sie um eine An­mel­dung über info@dialog-ethik.ch.

Wei­te­re In­for­ma­ti­o­nen finden Sie auf diesem Flyer.

 

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Unsere nächs­ten Ver­an­stal­tun­gen und Kurse fin­den Sie hier.

 

Thema im Fokus

  • Wegen des Vor­schlags der eid­ge­nös­si­schen Volks­ini­ti­a­ti­ve «Or­gan­spen­de för­dern – Le­ben ret­ten» der Jeu­ne Chamb­re In­ter­na­ti­o­nale (JCI) für eine Ge­set­zes­än­de­rung ist die De­bat­te um die ge­setz­li­chen Richt­li­ni­en der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin, ge­nau­er der Or­gan­spen­de, wie­der ak­tu­ell. Ge­mäss der Ini­ti­a­ti­ve wür­den al­le Er­wach­se­nen, die die me­di­zi­ni­schen Kri­te­ri­en er­fül­len, zu Or­gan­spen­dern, wenn sie dem nicht zu Leb­zei­ten wi­der­spro­chen ha­ben.

     

    Die Zeitschrift Thema im Fokus rich­tet sich an Fach­per­so­nen aus dem Ge­sund­heits- und So­zial­we­sen und al­le an ethi­schen Fra­gen in un­se­rer Ge­sell­schaft In­te­res­sier­ten. Sie wid­met sich ethi­schen Fra­gen im Ge­sund­heits­we­sen und in der Zi­vil­ge­sell­schaft.

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Varia

Gruppenberatung zu Patientenverfügung und Vorsorgedokumenten

Dienstag, 24. Sep­tem­ber 2019
14.00 bis 16.30 Uhr
Seminar­raum von Dia­log Ethik

In der Grup­pen­be­ra­tung mit ma­xi­mal 12 Teil­neh­men­den ver­mit­teln wir Basis­wis­sen über Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen und Vor­sorge­do­ku­mente und unter­stüt­zen Sie beim Aus­fül­len Ihrer Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung. In der Grup­pe pro­fi­tie­ren Sie auch von den An­lie­gen der an­de­ren Teil­neh­men­den.

Dauer
2,5 Stunden

Kosten
CHF 80.– pro Person, 70% Rabatt für Mit­glie­der des Förder­vereins Dialog Ethik

Anmeldung
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