Der Eid

Seit geraumer Zeit mehren sich – im In- und Ausland – die Signale, dass die Berufsausübung von Ärztinnen und Ärzten unter einem zunehmenden ökonomischen Druck steht. Ein neuer Eid würde dem Schutz der Ärztinnen und Ärzte gegen berufsfremde und die Ehre des Berufs schädigende Verhaltenserwartungen dienen. Eine Kommission bestehend aus Vertretern der Medizin, der Ökonomie, der Psychologie, der Philosophie und Theologie schlägt einen neuen Ärzte-Eid vor.

In unserer Ausgabe 121 des Thema im Fokus finden Sie spannende Hintergrundberichte zum neuen Eid.

Artikel in der Schweizerischen Ärztezeitung zum neuen Ärzte-Eid.

«Ich gelobe, während der Ausübung meiner ärztlichen Tätigkeit folgende Berufspflichten nach meiner Kraft und Fähigkeit zu respektieren und ihnen gemäss zu handeln:

  • ich übe meinen Beruf stets nach bestem Wissen und Gewissen aus und nehme Verantwortung wahr;
  • ich stelle die Sorge um die Behandlung meiner Patienten und deren Interessen immer voran, wende jeden vermeidbaren Schaden von ihnen ab und füge ihnen auch keinen solchen zu;
  • ich betrachte das Wohl meiner Patienten als vorrangig, respektiere ihre Rechte und helfe ihnen, informierte Entscheidungen zu treffen;
  • ich behandle meine Patienten ohne Ansehen der Person, d. h. ohne Diskriminierung wegen allfälliger Behinderung, Religion, Parteizugehörigkeit, Rasse, Sozialstatus, Versicherungsstatus und Herkunft, gemäss den aktuellen Standards der ärztlichen Tätigkeit und den Möglichkeiten meines beruflichen Könnens;
  • ich betreibe eine Medizin mit Augenmass und empfehle oder ergreife keine Massnahmen, die nicht medizinisch indiziert sind;
  • ich instrumentalisiere meine Patienten weder zu Karriere- noch zu andern Zwecken und sehe von allen Massnahmen ab, die nicht in einem direkten Zusammenhang mit der Linderung ihrer Beschwerden, der Heilung ihrer Krankheit oder der Verhütung einer Erkrankung stehen;
  • ich mute meinen Patienten nichts zu, was ich auch meinen liebsten Nächsten oder mir selbst nicht zumuten würde;
  • ich begegne meinen Patienten ebenso wie meinen Kolleginnen und Kollegen immer mit Freundlichkeit und Respekt. Ich bin zu ihnen ehrlich und wahrhaftig;
  • ich respektiere die Entscheidungen und Handlungen meiner Kolleginnen und Kollegen, insofern sie mit den Regeln der ärztlichen Kunst und den ethischen Standards des Berufs vereinbar sind;
  • ich teile meine Kenntnisse und Erfahrungen mit meinen Kolleginnen und Kollegen und beteilige mich an deren Aus-, Weiter- und Fortbildung;
  • ich bemühe mich durch Fortbildung stets um den Erhalt und um die Erweiterung meiner beruflichen Kompetenzen;
  • ich fördere die Gesundheitskompetenz meiner Patientinnen und Patienten;
  • ich nehme mir für das Gespräch und für die menschliche Begegnung mit den Patienten (und mit ihren Angehörigen) die erforderliche Zeit und spreche mit ihnen auf eine verständliche und angemessenen Weise;
  • ich respektiere und wahre grundsätzlich die Willensäusserungen meiner Patienten;
  • ich halte mich an das Arztgeheimnis;
  • ich setze die mir zur Verfügung stehenden Ressourcen wirtschaftlich, transparent und gerecht ein;
  • ich nehme für die Zuweisung und Überweisung von Patienten keine geldwerten Leistungen entgegen;
  • ich gehe keinen Vertrag ein, der mich zu Leistungsmengen, zu nichtindizierten Leistungen oder zu Leistungsunterlassungen nötigt.»

Den Eid können Sie auch herunterladen.

Die Eid-Kommission besteht aus:

Dr. theol. Ruth Baumann-Hölzle
Leitung Institut Dialog Ethik, Zürich

Prof. Dr. med. Bernhard Egger
Chefarzt Chirurgische Klinik, HFR freiburger spital

Dr. med. Max Giger
Präsident FMH-Services, Winterthur

Anja Huber
, lic. phil. / Psychologin FSP
Stabsstelle der Geschäftsleitung / Leiterin Kommunikation Dialog Ethik

Lic. oec. publ. Claudia Käch
Generaldirektorin HFR freiburger spital

Prof. Dr. Jean-Pierre Wils
Ordinarius für Praktische Philosophie (Radboud Universität Nijmegen, NL) und wissenschaftlicher Beirat Stiftung Dialog Ethik.

 

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