TIF 113: Reanimieren verboten?

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Beschreibung

Ausgabe 113 – Februar 2014

«Ein Stempel als Lizenz zum Sterben», titelte die NZZ, als ein Stempel auf den Markt kam, mit dem Menschen auf ihrer Brust kundtun können, dass sie bei einem Herzstillstand nicht reanimiert werden wollen. Der Aufdruck «NO-CPR» hält rund drei Tage lang und muss regelmässig erneuert werden, soll die Anweisung längere Zeit gelten.

Der Stempel wirft viele ethische Fragen auf: Müssen Rettungssanitäter sich auch an die Anweisung auf der Brust halten, wenn sie keine entsprechende Patientenverfügung vorfinden? Oder ist der Stempel nur verbindlich zusammen mit einer Verfügung? Können Helfende, die trotz Stempel einen Patienten reanimieren, rechtlich belangt werden? Das Ethik-Forum des Kantons St. Gallen hat vor einem Jahr als eine der ersten kantonalen Institutionen die Empfehlung herausgegeben, dass der aufgedruckten Anweisung auch ohne Verfügung Folge zu leisten, ein Rettungsversuch also zu unterlassen sei. Dennoch findet die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann, dass man mit einem NO-CPR-Stempel eine Patientenverfügung bei sich tragen sollte.

Ein Merkmal auf dem Körper eines Menschen, das seinen Mitmenschen verbietet ihn zu retten, wirft nicht nur individualethische, sondern auch sozialethische Fragen auf. Was geschieht mit einer Gesellschaft, in der die Menschen ihren Mitmenschen mittels gedruckter Zeichen verbieten, ihr Leben zu retten? Könnte dies auf Dauer zu einer Gesellschaft führen, die sich das Helfen abgewöhnt? Anderseits: Jeder medizinische Eingriff gilt rechtlich als Körperverletzung, jeder hat das Recht, medizinische Eingriffe abzuwehren (Abwehrrecht). Ein Eingriff muss deshalb stets gerechtfertigt werden. Warum soll das Nein zu einer Reanimation in einer Patientenverfügung mehr Gewicht haben als das aufgedruckte Nein eines Stempels?

Dialog Ethik diskutiert seit längerem über die ethischen Konsequenzen eines solchen Stempels.

(CPR steht für: Cardio-Pulmonale Reanimation (Herz-Lungen-Wiederbelebung))

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  • «Wir wissen es nicht» – «dieses Ein­ge­ständ­nis habe ich bei so man­chen Ex­per­ten­aus­sa­gen ver­misst», sagt Pro­fes­sor Reto Sto­cker in seiner auf die ver­gan­ge­nen Mo­na­te be­zo­ge­nen Re­tro­spek­ti­ve als In­ten­siv­me­di­zi­ner (Sei­te 34). Viele Fra­gen rund um Co­vid-19 sei­en of­fen, weil For­schungs­re­sul­ta­te, er­mit­telt nach wis­sen­schaft­li­chen Kri­te­ri­en, schlicht noch nicht vor­lie­gen wür­den.

    Keine Ant­wor­ten auf bren­nen­de Fra­gen be­kom­men, da­mit müs­sen wir in die­ser Krise le­ben. Das heisst aber nicht, dass wir keine Fra­gen stel­len dür­fen, im Ge­gen­teil! Hin­schau­en, da­hin­ter schau­en – die­sem An­spruch wol­len wir in un­se­rer Juni-Aus­ga­be des Ma­ga­zins «Thema im Fokus» in­halt­lich ge­recht wer­den.

     

    Die Zeitschrift Thema im Fokus rich­tet sich an Fach­per­so­nen aus dem Ge­sund­heits- und So­zial­we­sen und al­le an ethi­schen Fra­gen in un­se­rer Ge­sell­schaft In­te­res­sier­ten. Sie wid­met sich ethi­schen Fra­gen im Ge­sund­heits­we­sen und in der Zi­vil­ge­sell­schaft.

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