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Schriftliche Arbeiten von TeilnehmerInnen

Im Verlauf der Nachdiplomkurse entstehen regelmässig schriftliche Arbeiten von allgemeinem Interesse. Mit dem Einverständnis der Autorinnen und Autoren werden die folgenden kurzen Einblicke in diese Arbeiten veröffentlicht. Über die angegebene e-Mail-Adresse können Interessierte nach der ganzen Arbeit fragen und sie gegebenenfalls in elektronischer Form auf Papier erhalten.

Die Arbeiten geben die Position der Autorinnen und Autoren wieder, welche nicht mit derjenigen der Kursleitung übereinstimmen muss. Es ist nicht das Ziel der Kurse, eine einheitliche Akzeptanz bestimmter Werte zu erreichen, sondern den reflektierten Umgang mit eigenen Werten und Normen - und mit den Wertorientierungen anderer Menschen - zu fördern.





Masterthesis

Christof Heim: Förderung der Autonomie schwerkranker Patientinnen und Patienten in der Akutmedizin – die Wertanamnese als Lösungsansatz
Für tragfähige Behandlungsentscheide in der Akutmedizin sind Diagnosen und Prognosen mit den Grundwerten der betroffenen Patientinnen und Patienten zu kombinieren. Der Patientenwille kann bei akuten schweren Krankheitsverläufen oft nicht oder nicht mehr erfragt werden.
In einem qualitativen Pilotprojekt in der IMC des Spitals Grabs wurden Wertefragen in die bestehende Pflegeanamnese integriert. Die beiden Frageblöcke «Was ist Ihnen im Leben wichtig?» und «Was beschäftigt Sie beim Gedanken an einen lebensbedrohlichen Zustand?» wurden 15 Patientinnen und Patienten der Inneren Medizin kurz nach Spitaleintritt gestellt. Die Evaluation über die Befragung bei den Erkrankten und den Befragenden ergab motivierende Resultate.
Ein Folgeprojekt mit Fokus auf die Fragenpräzisierung, die Interviewtechnik und den Informationsfluss im Behandlungsteam wird skizziert. Abschliessend werden Empfehlungen zur Implementierung der Wertanamnese als Alltagsinstrument dargelegt.




CAS-Arbeiten                                                                                                                                                                                                                                                                              


Cécile Altmann: Autonomie- und Würdeanspruch eines ALS-Patienten

Autonomie und Würde aus der Sicht eines ALS-Patienten, eines Arztes und einer Pflegenden ist in dieser Arbeit das zentrale Thema. Möglichkeiten im Umgang mit Würde und deren Wahrung wird anhand eines Fallbeispieles betrachtet. Autonomieanspruch und Autonomiefähigkeit im Kontext Ernährung wird ethisch analysiert, argumentiert und zugeordnet.


Walter Anghileri: Ein Fallbeispiel: Künstliche Ernährung

Eine Patientin wird via PEG künstlich ernährt. Die Kommunikation mir ihr gestaltet sich sehr schwierig (Aphasie). Es ist nicht gesichert, wieviel sie von ihrer Umwelt noch wahrnehmen kann.
Die Familie, die Pflegenden und der behandelnde Arzt sind sich über die Anwendung der künstlichen Ernährung nicht einig. Ihre Argumente für oder wider die künstliche Ernährung könnten unterschiedlicher nicht sein.
Bei der Analyse der einzelnen Argumente sieht man, dass hinter jedem Argument, eine Norm oder ein Wert steht. Deckt man diese impliziten Normen bei allen Argumenten auf, bekommt man eine viel bessere Diskussionsbasis. Man kann nun über Normen und Werte diskutieren. Verharrt man hingegen auf der deskriptiven Ebene, droht die Gefahr naturalistischer Fehlschlüsse.


Kaspar Büchi: Reflektionen über eine durchgeführte Vermittlung ethischer Grundlagen in einem Alters- und Pflegeheim

Die Arbeit reflektiert zwei Fortbildungen zu Grundlagen der Ethik in einer Wohn- und Pflegeinrichtung für Betagte. Die Fortbildung richtete sich an alle direkt in die Pflege involvierten Mitarbeitenden sowie an die Leitung. Es werden sowohl fachlich inhaltliche wie auch didaktische Aspekte beleuchtet. Die Lesenden erhalten durch die Arbeit Einblick in Inhalte einer ethischen Fortbildung im Pflegebereich. Besonders interessant dabei ist, dass die Schulung zweimal etwas unterschiedlich durchgeführt wurde. Die diskutierten Unterschiede in der Bewertung der Teilnehmenden und im Erleben des Kursleiters geben einen Eindruck von der Komplexität solcher Fortbildungsveranstaltungen.


Annatina Bukowiecki: Vorabklärungen für eine Strukturierung von schwierigen Teamentscheidungen

In einem Heim für Langzeitpflege treten häufig instabile Situationen und akute Komplikationen auf. Es ist für die Teams anspruchsvoll, die Balance zwischen Durchführen von Massnahmen oder Verzicht darauf zu finden. Manchmal ist es zudem schwierig zu beurteilen, ob ein Patient noch urteilsfähig ist oder nicht.
In diesem Heim soll ungefähr binnen eines Jahres ein Entscheidungsfindungsverfahren eingeführt werden, damit Sicherheit und Transparenz bei den Entscheidungen gewährleistet sind. Vorweg soll jedoch mit einer grösser angelegten Befragung der Belegschaft geklärt werden, wie bisher Entscheidungen getroffen wurden. In dieser Arbeit wird ein Vorschlag für eine Befragung mittels ausführlicher Interviews entwickelt.


Gabriele Claus: Ethische Verantwortung in der Pflege

Die Arbeit plädiert für eine vermehrte Verantwortungsübernahme der Pflege .bei ethisch schwierigen Entscheidungen. Sie geht der Frage nach, weshalb es vielen Pflegenden schwer fällt, bei ethischen Entscheidungen im Spitalalltag Stellung zu beziehen und ihre spezifische professionelle Sichtweise auch in einem ethischen Diskurs einzubringen. Neben einer differenzierten Analyse dieser Problemstellung zeigt die Arbeit mögliche Handlungsschritte zur Stärkung der ethischen Kompetenz von Pflegefachkräften auf.


Pascal Diacon: War der Teamentscheid korrekt?

In einem Wohnheim für Menschen mit einer geistigen Behinderung wird unter besonderen Umständen eine Frau im Rollstuhl in dem angebunden. Das Team hat diesen Entscheid auf dem Hintergrund eigener Erfahrung getroffen. Der Autor analysiert diesen Entscheid anhand eines deontologischen Argumentationsmodells und mit der Hilfe des Modells «7 Schritte ethische Entscheidungsfindung». Er versucht damit zu prüfen, ob dieser Entscheid korrekt bzw. ethisch vertretbar ist.


Stephan Eberhard: Entscheidungsfindung in der Rehabilitation

Im Gegensatz zu „end of life“ Entscheiden oder bei Entscheiden am beginn des Lebens geht es bei Entscheiden in der Rehabilitation um Entscheide über die weitere Lebensführung des Betroffenen, das selbstbestimmte Leben. Die Arbeit behandelt anhand eines konkreten Patientenbeispiels die Werthaltung und die Spannungsfelder, die sich heute für die medizinische Rehabilitation in der Schweiz eröffnen; sei dies das Spannungsfeld zwischen Patientenwünschen und erreichbaren Zielen, die zunehmende Schnittstellenproblematik und das Unvermögen der bestehenden Qualitätsmanagementsysteme hier Verbesserungen zu erzielen sowie nicht zuletzt der zunehmende finanzielle Druck, der die Möglichkeiten einer adäquaten Behandlung deutlich einschränken kann. Es wird versucht Lösungsansätze zur transparenten Entscheidungsfindung in der Rehabilitation aufzuzeigen und das 7-Schritte-Modell ethischer Entscheidungsfindung auch im rehabilitativen Kontext zu verankern.


Katharina Fahrländer: IST-Analyse
und Erste Planungsschritte zur Überarbeitung des Ethikcurriculums


In der Arbeit wird der Frage nachgegangen, welche Inhalte ein Ethikunterricht enthalten müsse, damit junge Pflegefachfrauen nach der vierjährigen Grundausbildung zum Diplomniveau II als moralisch kompetent bezeichnet werden können. In der Ist-Analyse wird der Begriff der moralischen Kompetenz geklärt, es findet eine Auseinandersetzung mit den Aussagen Gilligans zur weiblichen moralischen Entwicklung statt, zwei Ethikcurricula werden miteinander verglichen bezüglich ihrer Inhalte und der gestellten Frage. Pädagogische Überlegungen schliessen die IST-Analyse ab. Erste Planungsschritte zur Überarbeitung eines der vorgestellten Curricula werden vorgestellt und die einzelnen Schritte begründet. Abschliessende Überlegungen im Sinn eines Transfers bilden den Abschluss.


Franziska Gebel: Ist Führerausweisentzug aus medizinischen Gründen Freiheitsentzug?

Mich interessierte, ob bei der Beurteilung der Fahreignung von Senioren, eine amtsärztliche Tätigkeit, der Autonomieanspruch des Seniors eine Rolle spielt und, wenn ja, welche Handlungsmöglichkeiten dem beurteilenden Arzt allenfalls zur Verfügung stehen, diesem Autonomieanspruch gerecht zu werden. Diesen Fragen ging ich anhand eines konkreten Fallbeispiels nach, beschränkte mich dabei aber auf die individual-ethische Ebene.
Im Alter macht den Seniorem die Abnahme von Muskelkraft und -koordination sowie der Beweglichkeit einerseits und die Verlängerung der kognitiven und motorischen Reaktionszeit andererseits das Unterwegs-Sein zu Fuss beschwerlich und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel mühevoll und anstrengend. Vielen bleibt dann nur noch die Mobilität mit dem eigenen Auto, da hier die Anforderungen an Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Gleichgewicht und geistige Flexibilität deutlich kleiner sind. Dies sind Gründe, weshalb das Autofahren bei vielen Senioren einen hohen persönlichen Wert besitzt, es ist zu einem unverzichtbaren Grundwert, ja zu einem Grundrecht geworden. Eine Verneinung der Fahreignung mit entsprechendem Führerausweisentzug kommt daher für viele Senioren einer freiheitsbeschränkenden Massnahme gleich.
Gestützt auf die in der Schweiz gültigen Regelungen (Gesetze / Verordnungen, Standesordnung FMH, SAMW-Richtlinien), auf aktuelles medizinisches Wissen und auf neuere statistische Erhebungen inkl. der kürzlich vom Verkehrs-Club Schweiz zum Thema Senioren und Verkehrssicherheit herausgegebenen Studie kam ich zum Schluss, dass an die amtsärztliche Tätigkeit der Beurteilung der medizinischen Fahreignung in Bezug auf Sorgfalt, Beachtung des Autonomieanspruchs und informierter Zustimmung die gleichen Anforderungen zu stellen sind wie an therapeutische Massnahmen. Gute Kenntnisse (Rechtsgrundlagen, statistische Daten, medizinisches Wissen) und hohe Empathie für den Patienten (Biographie, Wünsche, Lebensziele) sind dabei vorausgesetzt.


Marianne Gschwend Wick: Ethische Entscheidungsfindungsverfahren im Fachunterricht Pflegeethik


Thomas Herzog: Kinderwunsch gleichgeschlechtlicher Paare

In Rahmen der Beratertätigkeit meiner beiden Geschäftspartner und mir in einer kleinen Beraterfirma, haben wir uns wiederholt mit dieser Thematik befasst. Als ehemaliger Hausarzt im Basel Lighthouse hatte ich viele Kontakte zu homosexuellen Paaren, u.a. auch mit Kinderwünschen. In meinem näheren Freundes- und Familienkreis sind Fragen über gesellschaftliche Normierung, selbstbestimmtes Leben und Abhängigkeiten aktuelle Themen der Reflexion.
Im Zentrum steht das von einem gleichgeschlechtlichen Paar ge- und erwünschte Kind. Kann dem Anspruch des optimalen, des guten Aufwachsens eines Kindes in dieser Situation entsprochen werden? Es geht hier nicht darum die Wünsche der Kinder zu behandeln, sondern um den Wunsch mündiger Menschen ein Kind erwarten zu dürfen.
Eine der Grundlagen des Lebens ist die, dass jede Form des Lebens (Pflanze, Tier, Mensch) darauf aus ist das Überleben der eigenen Gattung zu sichern, indem sie sich fortpflanzt. Eine gesunde Eizelle und eine gesunde Samenzelle müssen im biologisch richtigen Moment und Raum aufeinander treffen und verschmelzen können, damit neues Leben entstehen kann.
In einem ersten Schritt wird die ethischen Voraussetzungen diskutiert, welche generell bei Kinderwunsch gegeben sein sollten (Wertediskussion). Mit Hilfe des 7-Schrittemodells zur ethischen Entscheidungsfindung wird in einem zweiten Teil die Frage pragmatisch angegangen.


Kathrin Hillewerth: Die Sitzwache - eine freiheitsbeschränkende Massnahme?

In dieser Arbeit wird das Thema Sitzwache in einem Akutspital mit Hilfe eines Fallbeispiels bearbeitet. Es geht um einen Patienten, der sich postoperativ nicht an die verordnete Bettruhe hält, und sich durch sein zuwider handeln zusätzlichen Schaden zufügt. Daraufhin wird eine Sitzwache verordnet, die den Patienten überwachen soll.
Die Frage, ob die Sitzwache eine freiheitsbeschränkende Massnahme und/oder eine Zwangsbehandlung ist, konnte mit Hilfe der Literatur mit Ja beantwortet werden. Mit Hilfe eines Analyseinstrumentes werden weitere, mögliche Handlungsoptionen analysiert und ethischen Modellen zugeordnet. Diese veranschaulichen das ethische Dilemma, das zu einer Güterabwägung zwischen «Autonomie» und «nicht Schaden» führte.
Die Arbeit schliesst mit Gedanken und Fragen der Autorin, die helfen können, zu einer bewussten und reflektierten Entscheidung, rund um den Einsatz von Sitzwachen zukommen.


Franz Ludin: Kurzaufenthalt von X im Regionalen Pflegeheim Gossau (RPG)

Am Fallbeispiel von X wird das Pro und Kontra für einen Kurzaufenthalt aufgeführt. Einige Argumente, die für den Kurzaufenthalt und einige für den Abbruch des Aufenthaltes werden aufgezeigt. Es wird die deskriptive und normative Ebene betrachtet. Die Normen werden einem Argumentationsmodell (Prinzipienethik, deontologische und teleologische Ethik etc.) zugewiesen und begründet.
Die zusammenfassenden Gedanken setzen sich u.a. mit den Argumenten auseinander sowie mit Werten, die hinter den Argumenten stehen und die Voraussetzungen, die für einen Diskurs vorhanden sein sollten.
Die Überlegungen bei der Entscheidungsfindung zeigen Kriterien für den Entscheidungsprozess auf sowie ein mögliches Vorgehen: Wie weit treffen die Angehörigen eine Entscheidung oder müssen diese Entscheidung mittragen sowie die Frage der Verantwortlichkeit. Der Entscheidungsprozess sollte unter ethisch reflektierten Bedingungen zustande kommen.


Jürg Merz: Der mutmassliche Wille und der Wille der Organisation

Sind der 'mutmassliche Wille' und der Wille einer Organisation in Einklang zu bringen? Es handelt sich um zwei derart verschiedene Kategorien, dass das mit 'Nein' beantwortet werden muss. In der Praxis allerdings gilt es einen Weg zu finden, der gangbar ist. Die integrative Verantwortungsethik kann ein solcher Weg sein. Einer allerdings, der im Universitätsspital äusserst harzig ist.


Franziska Muser: Erste Schritte zur Entwicklung eines Verfahrens als Entscheidungshilfe

Stellvertretende Entscheide für Menschen mit einer geistigen Behinderung zu fällen ist oft anspruchsvoll. Häufig ist die Situation unklar und das Betreuerteam muss Mutmassungen anstellen, was das Problem ist und welcher Entscheid zum Wohl des Betreuten gefällt werden soll. Dabei soll sein Autonomieanspruch konsequent gewahrt bleiben und sollen die bestehenden kognitiven Fähigkeiten maximal berücksichtigt werden.
Ein Entscheidungshilfeverfahren würde dabei helfen, im Sinne einer integrativen Verantwortungsethik dieses Problem anzugehen, einen ethischen Diskurs zu ermöglichen und eine überprüfbare Konsensentscheidung zu fällen.
Als erster Schritt zur Entwicklung eines solchen Verfahrens wurde in einem kleineren Heim, in welchem Menschen mit einer geistigen Behinderung leben eine Ist-Analyse durchgeführt. Sie soll erhellen, wie solche Entscheidungen bisher, d.h. vor der Einführung eines solchen Verfahrens, getroffen wurden.


Andrea Moser: Der mutmassliche Patientenwille auf der Intensivstation – warum und wie

Die Frage nach dem mutmasslichen Patientenwillen stellt sich auf der Intensivstation im Zusammenhang mit nicht urteilsfähigen Patienten, bei welchen eine wichtige Entscheidung über die Art und Weise des Weiterführens der Therapie ansteht.
Bei der Frage warum lasse ich Immanuel Kant ausführlich zu Worte kommen. Ich schreibe über den von Kant geforderten Würde- und Autonomieanspruch. Ich kläre auch den Unterschied des Autonomieanspruches zur Autonomiefähigkeit.
Die Frage wie versuche ich mit Hilfe der SAMW Richtlinien und persönlichen Erfahrungen aus meinem Berufsalltag zu beantworten. Ich zeige zudem auf, wie schwierig es ist, die persönliche Meinung bei der Erfassung des mutmasslichen Patientenwillens nicht einfliessen zu lassen.


Jeanette Mösli: Das Kopftuch «Ein vermeintlich eindeutiges Stückchen Stoff»

Diese Arbeit ist eine nachträgliche Analyse einer Führungssituation auf der individualethischen Ebene. Eine junge Frau bewirbt sich in einer Kindertagesstätte. Sie trägt ein Kopftuch, dies ist für sie als Muslima Pflicht. Sie ist in der Schweiz geboren, ihre Familie kommt aus der Türkei. Auf Grund des Anforderungsprofils würde sie sich als Praktikantin in der Kinderbetreuung eignen. Die Bewerberin wurde abgelehnt.
Welchen Einfluss kann dies auf das Vertrauen der Eltern in der Kindertagesstätte haben? Was bedeutet dies für das Image der Kindertagesstätte? Kann man jemand einzig weil sie ein Kopftuch trägt ablehnen? Wie berücksichtigt man die Religionsfreiheit? Welches Dilemma entsteht?
In einer Analyse wird solchen Fragen nachgegangen und die Werte der Kopftuchträgerin, der Eltern und der Verantwortlichen der Kindertagesstätte werden analysiert. Am Schluss der Arbeit wird mit der Bewerberin nochmals Kontakt aufgenommen um zu sehen, wie es ihr in der Zwischenzeit (eineinhalb Jahre) ergangen ist.


Mechthilde Schmidhofer: Zwangsfixierung - zwischen Autonomie und Sicherheit

In Langzeitpflegeinstitutionen kommt es immer wieder zu Situationen in denen demente Bewohner durch Fixieren in ihrer Freiheit eingeschränkt werden. Als Indikationen für das Fixieren gelten unter anderem Bewegungsprobleme, Herumlaufen, Unruhe, Aggression sich selber oder anderen gegenüber.
Im tätigen Alltag bleibt oft nicht die Zeit, sich gründlich mit anforderungsreichen Frage-stellungen auseinander zusetzen, in Ruhe den interdisziplinären Dialog zu führen und situationsbezogene Fragen zur Zwangsfixierung zu beantworten; zurück bleibt dann oft das Gefühl ‚es’ doch nicht richtig gemacht zu haben, ein ethisches Prinzip verletzt zu haben oder es bleibt ein diffuses Unbehagen.
Das ethische Problem lautet:
Dürfen wir demente, unruhige Bewohner mit dem Ziel fixieren, sie zu schützen und ihnen eine sichere Behandlung und Pflege zu gewährleisten, obwohl wir dies gegen ihren Willen tun müssen und sie durch die Fixierung eventuell (oder gerade deshalb) einen physischen oder psychischen Schaden erleiden?
Mit der Analyse der Verhaltensmöglichkeiten konnte ich ableiten, dass im interdisziplinären Dialog neben den Ansätzen der ‚Heiligkeit des Lebens’, der ‚absoluten Autonomie’ und der ‚fremdbeurteilten Lebensqualität’ auch der Ansatz der ‚Cure und Care-Ethik’ im Entscheidungsfindungsprozess mit zu denken ist.


Regula Schmitt-Mannhart: Entwicklung eines Entscheidungsfindungsverfahrens im Langzeitbereich – Begründung und Ueberzeugungsarbeit

Die Behandlung pflegebedürftiger Menschen in Pflege-Institutionen ist mit verschiedenen Spannungsfeldern verbunden; Situationen, die einen medizinischen Entscheid benötigen, kommen sehr häufig vor. Die Autonomiefähigkeit pflegebedürftiger Menschen ist oft eingeschränkt. Hinzu kommen aber zahlreiche weitere Faktoren, die im Entscheidungsprozess eine Rolle spielen. Nur ein interdisziplinäres, strukturiertes Entscheidungsfindungsverfahren kann dem Autonomie-Anspruch bei dieser Komplexität genügen. Um ein solches Verfahren in einem Pflegezentrum entwickeln und implementieren zu können, braucht es die Ueberzeugung und Motivation der Mitarbeiter.
In einem ersten Teil dieser Arbeit wird dargestellt, welche Schwierigkeiten in Entscheidungssituationen im Langzeitbereich vorhanden sind, und welche Faktoren diese beeinflussen können. Die Notwendigkeit eines Entscheidungsverfahrens wird damit begründet. In einem zweiten Teil werden die ersten Vorbereitungsschritte beschrieben, die es in drei organisatorisch zusammengeschlossenen Pflegezentren dafür braucht. Es wird erläutert, wie mit einer sorgfältigen Planung und Information die Mitarbeiter für das Projekt sensibilisiert und motiviert werden können.


Domenica Schnider: Verantwortungsvolle Begleitung von leistungsschwachen Mitarbeite­rinnen - Ein Modell wird auf seine ethische Tragfähigkeit hin überprüft.

Die Leistungsanforderungen an die MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen haben in den letzten Jahren zugenommen, gleichzeitig wurden Stellen abgebaut. MitarbeiterInnen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit, welche früher vom Team mitgetragen wurden, fallen heute rascher auf. Oft wurden sie früher, trotz ungenügender Leistungen, über Jahre geduldet, vor allem dann, wenn sie auf die Stelle angewiesen waren. Unter dem zunehmenden finanziellen Druck wird dies immer schwieriger. Die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen wahrnehmen und die ökonomischen Anforderungen berücksichtigen, dies wird zunehmend zu einem Dilemma. Wie kann man damit umgehen? Die Arbeit «verantwortungsvolle Begleitung von leistungsschwachen Mitarbeitern» bearbeitet diese Frage.


Mirco Schweitzer: Wenn "keine Hilfe annehmen können" zum Problem wird. Analyse einer Palliativsituation

In dieser Arbeit wird eine Situation, in der eine Patientin keine Hilfe annehmen konnte/wollte nach verschiedenen ethischen Gesichtspunkten analysiert. „Das keine Hilfe annehmen können“, wurde in dieser Situation zum
deutlichen Problem, nicht nur für das Betreuungsteam, sondern auch für die Patientin. Es bestand die Gefahr, dass die Patientin durch die Verweigerung der Hilfestellung Schaden nehmen würde.
Die Reflexion und Analyse dieser Situation anhand der bioethischen Prinzipien, der Argumentationsmodelle und unter Verwendung von einzelnen Schritten des 7-Schritte-Modells führte schlussendlich zu einigen für den Autor vertretbaren Lösungsvarianten. Diese standen unmittelbar in
Zusammenhang mit einer konkreten Fragestellung.


Ursula Stuker–Studer: Entwicklung und Planung einer innerbetrieblichen Fortbildung für Lehrpersonen

An einer Ausbildungsinstitution des Gesundheitswesens erhalten die Lehrpersonen Gelegenheit, an einer innerbetrieblichen Fortbildung zum Thema ‚Ethik und Recht’ teilzunehmen. Ebenfalls eingeladen sind Lehrpersonen aus der Praxis. Hinter diesem Angebot steht die Absicht, dass die Teilnehmenden in Zukunft Studierende ihrer Schule beim Ethiktransfer von der Schule in die Praxis und umgekehrt individuell unterstützen können.
In dieser Arbeit wird die Entwicklung eines fünftägigen Moduls beschrieben mit Zielen, Inhalten und ersten Überlegungen zur methodisch-didaktischen Umsetzung. Der Hauptfokus der Arbeit richtet sich auf Werte und Normen, welche die Auswahl der Inhalte leiten. Vier Bereiche werden anhand von Fachliteratur reflektiert:
- Leitende Werte der Pflege
- Die Menschenwürde und der umfassende Autonomieanspruch einer Person
- Verantwortung und Verantwortlichkeit
– Pädagogische und didaktische Leitgedanken.
Die Arbeit ist als Entwurf zu verstehen, den die Autorin der Bereichsleiterin als Auftraggeberin und den drei für den Ethikunterricht an den vier Schulen verantwortlichen Lehrpersonen zur Vernehmlassung vorlegt. Im November 2005 wird das Modul zum ersten Mal angeboten.

Urs Wiprächtiger: Assistierter Suizid bei erfülltem Leben? Überlegungen zur Freitodbegleitung anhand eines Fallbeispiels.

In Anlehnung an das 7 Schritte Modell von Frau Dr. R. Baumann Hölzle versuche ich, einige ethische Ueberlegungen zu einem nicht schwer kranken 95 jährigen Patienten, welcher mit Hilfe von Exit freiwillig aus dem Leben geschieden ist, zu ordnen. Seine Motivationen aus dem Leben zu scheiden waren: "Ich habe ein erfülltes Leben gelebt, ich möchte den anderen nicht zur Last fallen, und ich möchte den kommenden Krankheiten ausweichen".


Ros Wolf-Signer: Ethische Analyse eines Fallbeispiels in der gerontologischen Pflegepraxis

Anhand eines Fallbeispiels und einer Fallbesprechung, welche die Autorin als Supervisorin und Erwachsenenbildnerin in einem Pflegeheim behandelt hat, nimmt sie eine Analyse ethischer Prinzipien vor, die sich aus dem betreffenden Fall ergeben. Diese Anlayse soll als Grundlage für eine Schulung von ethischen Grundbegriffen dienen, die die Verfasserin bei den Pflegenden des Heims durchzuführen gedenkt. Für diese Schulung entwirft sie in ihrem Leistungsnachweis eine Skizze. Auf die Schulung soll unter Umständen später die Entwicklung, Einführung und Implementierung eines ethischen Entscheidungsfindungsverfahrens im Heim folgen.