Manifest

Die Anerkennung unserer Grenzen – ein Manifest für das Masshalten im Gesundheitswesen

Wir verfügen heute über ein starkes, leistungsfähiges und allen zugängliches Gesundheitswesen.  Das medizinische und pflegerische Können hat ein hohes Niveau erreicht. Wir sind, wie keine Generation vor uns, in der Lage, Erkrankungen zuvorzukommen, Krankheiten zu heilen, Leiden zu lindern und das Sterben zu erleichtern. Heilmittel und medizinische Technologie tragen entscheidend dazu bei, unsere Lebensqualität zu verbessern und das Leben insgesamt zu verlängern. Aber gleichzeitig steht das Gesundheitswesen unter  andauerndem und starkem Druck – unter einem ökonomischen, einem politischen und einem menschlichen Druck. Unsere  Vorstellungen über Gesundheit  und unsere Ansprüche ans Gesundheitswesen  scheinen keine Grenzen zu kennen.

Auch Sie können ein Zeichen setzen und sich an der Diskussion beteiligen. Sie können sich auf unserer Webseite als Unterzeichner dieses Manifests aufführen lassen oder unsere Forderungen kritisch kommentieren. Das Formular finden Sie unten auf der Seite.

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1. Ausblendung unserer Grenzen

Im Zentrum des Gesundheitswesens stehen Menschen, die erkrankt sind und um den Verlust ihrer Gesundheit fürchten. Sie werden konfrontiert mit der Erfahrung der Abhängigkeit von Dritten und mit der Endlichkeit ihres Lebens. Die Erwartungshaltung an die Medizin ist geprägt von illusorischen  Hoffnungen und stets wachsenden Ansprüchen.  Es macht sich eine Grenzvergessenheit breit, die in Medizinkonsum mündet und zu wachsenden Ressourcenproblemen führt.

Wir fordern: Die Anerkennung und die Respektierung unserer Grenzen, unserer Verletzlichkeit, Sterblichkeit und Abhängigkeit ist die erste Bedingung für einen notwendigen Realismus im Gesundheitswesen – auf Seiten der professionell Tätigen und auf Seiten der Patienten und Patientinnen.

2. Behandlungsextremismus

Unübersehbar sind folgende drei Tendenzen: Es werden zunehmend Gesunde untersucht und behandelt, wobei in diesem Zusammenhang immer neue Krankheitsbilder entstehen. Darüber hinaus wird versucht, die Gesundheit im Sinne maximaler Leistungsanforderungen zu steigern. Und die Anspruchshaltung gesunder und kranker Menschen und der Ärzteschaft führt zu unnötigen Untersuchungen, überflüssigen Therapien und zu schädigenden Übertherapien.

Wir fordern: Das Gesundheitswesen ist nicht dazu da, Gesunde zu behandeln und zu verbessern, sondern Kranken eine angemessene und sinnvolle Behandlung zu gewähren.

3. Fortschrittsgläubigkeit

Fortschritte und Innovationen sind zu begrüssen, aber nicht um jeden Preis. Hochspezialisierte Medizin ist ausserordentlich ressourcenintensiv. Sie verursacht sehr hohe Kosten und führt zu einem sehr hohen Personalaufwand. Dies hat Mangelsituationen in anderen Bereichen zur Folge. Die Zumutungen sowohl für die Patienten und ihre Angehörigen als auch für die Behandlungsteams werden oft ausgeblendet.

Wir fordern: Die Anerkennung von zeitlichen, räumlichen und finanziellen Grenzen ist eine unabdingbare Voraussetzung für einen ökonomischen und menschlichen Realismus im Gesundheitswesen. Fortschritt und Innovation sind zu messen an einer „good medical practice“ und nicht an Wunschvorstellungen und übersteigerten Gesundheitsanforderungen.

4. Fehlende Priorisierung

Die notwendige Priorisierung  medizinischer Untersuchungen und  Therapien, orientiert am menschlich  Sinnvollen und Erträglichen, findet nicht statt. Die derzeitige Intransparenz bei der Leistungs- und Mittelverteilung ist inakzeptabel. Eine faire Verteilung der Mittel ist vor diesem Hintergrund nicht möglich. Beim Personal am Krankenbett kommt es zu Gewissenskonflikten.

Wir fordern: Eine transparente, klare und verbindliche Prioritätensetzung im Gesundheitswesen muss durch die Politik initiiert werden. Die dafür notwendigen Daten und Informationen müssen erhoben und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.

5. Gefährdung der Solidarität

Der Gedanke der Solidarität bildete seit Jahrzehnten das Fundament des öffentlichen Gesundheits- und Sozialwesens. Solidarität bedeutet die Verantwortung der Starken für die Schwachen, der Gesunden für die Kranken. Im Rahmen des Gesundheitswesens hat sich aber der Konkurrenzgedanke durchgesetzt: Die Gesunden konkurrieren mit den Kranken, die Starken mit den Schwachen, die Mediziner und Medizinerinnen untereinander, die Gesundheitsberufe miteinander. Die Solidarität ist dort gefährdet, wo die Finanzierung des Gesundheitswesens dauernd an Grenzen stößt.

Wir fordern: Wir benötigen ein solidarisches Gesundheitswesen, das sich an dem Grundsatz einer gleichwertigen medizinischen Versorgung für alle orientiert. Dazu gehören auch faire und vergleichbare Tarifstrukturen im Hinblick auf die verschiedenen Fachdisziplinen. Die Bemühungen um Qualität, Patientensicherheit und Exzellenz dürfen nicht zu Wettbewerben und Konkurrenzstrategien führen.

6. Kommerzialisierung

Das Gesundheitswesen wird zunehmend kommerzialisiert. Eine sinnvolle Gesundheitsökonomie wird mittlerweile ersetzt durch ein Streben nach Effizienz um jeden Preis und durch einseitige Gewinnmaximierung der Leistungserbringenden. Gleichzeitig findet eine Überregulierung der medizinischen und pflegerischen Praxis statt.

Wir fordern: Das Gesundheitswesen darf nicht mit einem Markt verwechselt werden. Anforderungen des Marktes sind ein Mittel, aber kein Selbstzweck im Gesundheitswesen. Patientinnen und Patienten sind nicht bloss Kunden.

7. Undurchsichtigkeit

Das Gesundheitswesen ist ein hoch komplexes Gebilde. Vieles ist unübersichtlich, aber auch undurchsichtig. Es fehlt an Transparenz. Es gibt einen Wildwuchs an Qualitätsbestimmungen, und den vorhandenen Richtlinien fehlt es oft an Unabhängigkeit und wissenschaftlicher Evidenz.

Wir fordern: Die Entwicklung und Wahl von konkretisierbaren, operationalisierbaren und vergleichbaren Qualitätsindikatoren sind für Behandlung und Pflege unerlässlich. Der Wildwuchs an Qualitätslables ist zu unterbinden.

8. Fehlende Gesundheitskompetenz

Das Wissen um die Gesundheit und das entsprechende Verhalten – die sogenannte Gesundheitskomptenz – sind in der Bevölkerung höchst ungleichmässig verteilt: Einerseits schwächt die Überflutung mit Informationen, die häufig zu einem Scheinwissen führt, das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Dies hat fallweise medizinisches Konsumverhalten und Überbehandlungen zur Folge. Andererseits ist mangelnde Gesundheitskompetenz eine Gefahr und fördert risikoreiches Verhalten. Besonders in sozial schwachen Bevölkerungsgruppen ist ein solches Verhalten weit verbreitet.

Wir fordern: Gesundheitsbildung und Aufklärung in Gesundheitsangelegenheiten sind ein hohes Gut. Bürgern und Bürgerinnen sollen Kenntnisse vermittelt werden, die sie befähigen, Informationen zu Gesundheitsfragen angemessen zu werten und korrekt in den persönlichen Lebensstil umzusetzen.

9. Überlastung

Das Tempo der Veränderungen im Gesundheitswesen hat sich erheblich verschärft. Diese Beschleunigung betrifft nahezu alle Vorgänge – von den Möglichkeiten der medizinischen Intervention bis zu den pflegerischen Tätigkeiten und der Ausbildung. Lehr- und Lernprozesse werden verdrängt. Erschöpfung, Übermüdung und Resignation sind die Folge. Die Flucht aus dem Beruf und der Abbruch der Ausbildung nehmen zu.  Radikale Managementstrategien überformen zunehmend die primären medizinischen und pflegerischen Tätigkeiten.

Wir fordern: Arbeitsbedingungen und Strukturen sind so auszuprägen, dass sie qualitativ hochstehendes Arbeiten und Lernen ermöglichen: Der weiteren Beschleunigung und Verdichtung aller Handlungsabläufe muss Einhalt geboten werden.  Management und Gesundheitsökonomie haben eine dienende Funktion im Hinblick auf die medizinische und pflegerische Praxis. Sie sind kein Selbstzweck.

10. Verantwortungsverlust

Im Rahmen des Gesundheitswesens kommt die Verantwortung aller für alle  zunehmend abhanden. Achtsamkeit und Respekt vor der Würde der Patienten und  Patientinnen werden oft vermisst.  Die Kooperation zwischen den Berufsgruppen und zwischen den einzelnen Akteuren ist einem wachsenden Konkurrenzdenken gewichen. Mangelnde  Teamfähigkeit und Einzelkämpfer belasten die Arbeitsverhältnisse und schwächen Kooperation und gegenseitiges Vertrauen. Vielerorts wird Kompetenz in der Forschung gegenüber Kompetenz im Umgang mit Patienten bevorzugt. Generell lässt die Eigenveranwortung jedes Einzelnen zu wünschen übrig, auch auf Seiten der Kranken und der Gesunden.

Wir fordern: Verantwortung lässt sich nicht delegieren. Alle im Gesundheitswesen Tätigen sollen für die entsprechend ihrer Kompetenz und Aufgabe erbrachten Leistungen Verantwortung übernehmen.    Kooperation und Vertrauen sind Grundvoraussetzungen für gutes Handeln in Medizin und Pflege. Aber auch Patientinnen und Patienten tragen Verantwortung für einen maßvollen und sinnvollen Umgang mit Ressourcen.

Folgende Personen unterstützen unsere Forderungen:

 Ruth Baumann-Hölzle, Dr. theol., Institutsleitung Dialog Ethik – Denise Battaglia, lic. phil., Leitung Publikationen – Jean-Pierre Wils, Prof. Dr., Radboud Universität Nijmegen, wissenschaftlicher Beirat von Dialog Ethik – Diana Meier-Allmendinger, Dr. med., lic. theol., Theologin, Leitende Ärztin Ambulatorium Klinik Schützen Aarau – Eliette Pianezzi, Leitung Administration  – Daniela Ritzenthaler-Spielmann, lic. phil., Heilpädagogin, Fachbereich Patientenverfügungen Dialog Ethik – Hildegard Huber, Intensivpflegefachfrau, Pflegeexpertin HöFa II, MAS Ethische Entscheidungsfindung – Andrea Abraham, Dr. phil., Leitung Forschung  – Anja Huber, lic. phil., Leitung Kommunikation, Assistenz der Geschäftsleitung – Judit Pòk Lundquist, Dr. med., Präsidentin des Stiftungsrats von Dialog Ethik, pensionierte Frauenärztin – Gustav Egli, Dr. rer. pol., Präsident ProSenectute Kanton Zürich, ehemaliger Direktor Bethesda Küsnacht, Stiftungsrat Dialog Ethik – Margarete Garlichs, reformierte Pfarrerin am Universitätsspital Zürich, Stiftungsrat Dialog Ethik – Mariangela Wallimann-Bornatico, Juristin, Präsidentin Caritas Schweiz, ehemalige Generalsekretärin der Bundesversammlung, Stiftungsrat Dialog Ethik – Georg Staubli, Dr. med., Leiter Notfallstation Kinderspital Zürich, Stiftungsrat Dialog Ethik – Christoph Pachlatko, Dr. oec. Pfr., Stiftungsdirektor der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung, Stiftungsrat Dialog Ethik – Judith Seitz, Leitung Pflegedienst Uniklinik Balgrist, Stiftungsrat Dialog Ethik – Max Giger, Dr. med., Präsident FMH Services – Christine Beck, Pflegefachfrau, Dozentin – Heidi Caprez-Rutz, Dipl. Hebamme FH – Walter Meier, Pfarrer – Béatrice Strüby, Pflegefachfrau, Stationsleitung – Markus Geier, Informatiker – Elisabeth Haldemann-Jenni, MScN, Bildungsverantwortliche – Werner Sieber, pens. Chemiker – Thomas Wallimann-Sasaki, Dr. theol., Sozialethiker – Andreas Bolliger, Dipl. Gesundheits- und Pflegeexperte FH, MAE – Florian Lüthi, dipl. Pflegefachmann HF – Gerhard Grossglauser, Senior Consulter, Fundraising & Soziales – Liselotte Fueter, Sozialarbeiterin, Co-Präsidentin EFS – Timo Leuthold, Pflegefachmann HF, Studierender NDS IPS – Konrad Maurer, Zeitungsverleger – Paul Scherer, Dr. Ing. Agr. – Katharina Linsi, Dipl. Pflegefachfrau – Mirjam Neidhart, Regisseurin, Autorin – Barbara Zimmermann, Soziologin – Manuela Völkel, MAS Palliative Care – Heidi Friedli-Wüthrich, Pflegeexpertin MNSc – Herbert Gut, Theologe – Christine Dysli Vollmer, Intensivpflegefachfrau – Nora Lanzi, Arztgehilfin – Helen Frieden, Altersbeauftragte – Bruno Suter, Pflegefachmann als Stationsleiter in einem Geriatriespital – Marianne Gerber, Sozialunternehmerin Bereich Gerontologie – Thomas Gröbly, Theologe und Ethiker MAE – Friedwart Storto, Dipl. Pflegefachmann, Lehrer, Schulleiter – Ivo Vrankic, Unternehmer – Henrique Schenkel, Dr. med., Psychiater FMH – Carola Meier-Seethaler, Dr. phil., Psychotherapeutin – Monika Obrist, Pflegefachfrau, Co-Präsidentin Palliative zh+sh – Niklaus Gubler, Rentner, Pensionär – Yvonne Fent, Pflegefachfrau – Anna Bergmann, Prof. Dr., Kulturhistorikerin – Christine Goppelsröder, Berufsschullehrerin – Hanspeter Inauen, Spitex Geschäftsleiter (NPO) – Elisabeth Püllen, dipl. Pflegepädagogin – Reto Pampaluchi, Hausarzt, Palliativmedizin, MHA – Brida von Castelberg, Dr. med., ehemalige Chefärztin, Beirätin von Dialog Ethik für den klinischen Alltag – Florianne Koechlin, Biologin – Madeleine Zimmermann, Rentnerin – Anita Epp, Dipl. Gerontologin HF – Stephan Schmid-Keiser, Dr. theol. – Michael Vogt – Roland Zürcher, Pflegefachmann Intensivpflege – Brigitta Arnold, Sozialarbeiterin HF – Othmar Hiestand, Eidg. pat. Ingenieur-Geometer – Esther Hiestand, Dipl. Pflegefachfrau HF – Kurt Urfer, Arzt – Katharina Teuscher, Geschäftsführerin – Gerhard Kocher, Gesundheitsökonom – Felix Brunner, Hausarzt – Sabina De Geest, Prof. Pflegewissenschaft, Universität Basel – Bettina Merz, Dipl. Pflegefachfrau FE IPS – Johannes Christoph Heil, KH Seelsorger – Robert Baumann, Geschäftsführer – Felix Schneuwly, lic. phil. I Psychologe / Executive MBA – Cristina Guidese, Dipl. Pflegefachfrau HF – Sandra Fust, Dipl. Pflegefachfrau HF, Bildungsverantwortliche – Ilona Baumann, Physiotherapeutin – Heidi Mettler, Dipl. Psychologin FH / Zen Nonne – Patrizia Kalbermatten-Casarotti, lic. phil., MAS, Fachbereich Patientenverfügung Dialog Ethik – Ursina Sonderegger, Spitalpfarrerin – Beat Knecht, ehem. Chefarzt Rehabilitationszentrum Kinderspital Zürich, Präsident vom Förderverein Dialog Ethik – Simon Baumann, Unternehmer – Hans Jürg Jakob, Dr. oec. – Monika Maritz Mosimann, Dr. med., Hausärztin – Claudia Mehl, Dipl. Ing. (FH), Masterstudentin Theologie – Martina Camenzind, lic. phil., Redaktorin Zeitschrift “Krankenpflege” – Ignazia Graf-Giger, Pflegefachfrau Onkologie/Palliative Care – Tobias Arni, Klinikseelsorger, Pfr. – Daniel Hell, Prof. Dr. med., Leiter Kompetenzzentrum Depression und Angst Privatklinik Hohenegg – Gregor Schubiger, Arzt – Esther Henzi, Lehrperson HF / MAS Palliative Care – Massimiliana Pagliaro, Arbeitspsychologin – Klaus Stahlberger, Pfarrer, Gerontologe und Heimseelsorger – Brigitte Amrein, lic. theol., Spitalseelsorgerin – Barbara Züst, lic. iur., Pflegefachfrau und Co-Geschäftsführerin SPO – Susanne Shorter, Breast Care Nurse, Onkologiepflegefachfrau – Andera Moser, Pflegefachfrau Intensivpflege – Franz Limacher, Dr. med., ehemaliger Chefarzt Frauenklinik Spital Grabs – Hansueli Schläpfer, Dr. med. – Regula Siegrist, Hauswirtschaft. Betriebsleiterin – Margrit Brunner, Behinderten-Betreuerin – Hansruedi Siegrist, Umweltingenieur – Peter J. Meier-Abt, Prof. em. Dr. med. Universität Zürich – Markus Dürr, Dr. med. vet., a. Regierungsrat – Marlis Pfändler, Pflegefachfrau und Pflegeexpertin HöFa II – Beatrice Wagner, Pathologie-Ärztin – Doris Lötscher, Akupunkteurin – Michael Deppeler, Dr. med. – Jürg Zollikofer, Dr. med., FMH Allg. Innere Medizin – Jrène Gut-Egli, Berufsschullehrperson Gesundheits- und Betreuungsberufe – Ruth Humbel, Nationalrätin – Riccardo Bonfranchi, Coach, Dozent im heilpädagogischen Bereich – Käthi Meier-Schwob, Pfrn., Spitalseelsorgerin – Patrick Schuchter, Philosoph / Wissenschaftler – Manfred Kleist, Leiter Pflege / MTT – Andrea Brenner, Pflegewissenschaftlerin – Marietta Fischer, Direktionsassistentin (im Spital) – Paola Massarotto, MScN, Stationsleitung Intensivstation – Andreas Bührer, Dr. med. et. sc. nat., Selbständiger Berater – Markus Scheuring, Arzt – Petra Perrin, Dipl. Pflegefachfrau HES – Josef E. Schorno, Sozialpädagoge – Janine Ammann, Pflegefachfrau / Kadermitarbeiterin Krankenversicherung – Marta Lehmann, Berufsschullehrerin – Brigitta Klaas Meilier, Autorin – Jliana Wällti-Kislig, Dipl. Pflegefachfrau / IPS und Gerontologin HF – Theresia Schmid, Koordinatorin – Hans Ulrich Bucher, Emeritierter Ordinarius für Neonatologie, Universität Zürich – Nora Lanzi, Arztgehilfin – Nadja Cadorin, Pflegefachfrau – Philippe Rochat, Dr. med., Arzt – Markus Arnold, Dr. theol., Ethikdozent – Daniela Steiger Neininger, Hausärztin – Brigitte Tomasina, Fachfrau Alimentenhilfe – Dorothea Forster, Co-Präsidentin Evangelische Frauen Schweiz EFS – Katharina Eppenberger, Pflegefachfrau – Konrad Nägeli, ehem. Direktor Schürmatt – Peter Wolfensberger, Pflegeexperte MScN, Pflegewissenschaftler – Ute Mester Meffert, Berufsschullehrerin im Gesundheitswesen – Walter Anghileri, Theologe, dipl. Pflegefachmann HF IPS, Lehrbeauftragter, Dialog Ethik – Ute Strätker, Pflegefachfrau Intensivpflege – Anita Frei, dipl. Pflegefachfrau, Coach – Diana Diemand, dipl. Pflegefachfrau – Leslie Schläpfer, Spitalpfarrerin – Theresia Wenk, dipl. Pflegefachfrau HF – Cornelia Rupp, Pflegefachfrau Intensivpflege – Reto Rhinisperger, dipl. Logopäde – Ursula Bachmann, Wohnbereichsleiterin – Leandra Kissling, Studierende Pflegefachfrau HF im 2. Ausbildungsjahr – Maja Hiltbrunner Ahr, Hebamme HF/Pflegeexpertin MScN – Doris Wandao, Pflegefachfrau HF – Michael Rogner, Pflegewissenschaftler – Gertrud Bernoulli, Pfarrerin in Pension – Susanne Ummel, Pflegefachfrau Intensivpflege – Lotte Arnold-Graf, Geschäftsführerin SPO Patientenschutz – Gunna Mahler-Görges, Psychotherapeutin FSP – Walter Mahler, Dozent PHZH – Martin Wanger, Leitung Pflege – Martina Tapernoux-Tanner, Pfarrerin und Spitalpfarrerin – Iris Rottweiler-Blättler, Spitalpfarrerin – Sabine Schultz, Ethnologin – Walpurga Kubik-Breznik, Dipl. Sozialarbeiterin HFS – Carmelo Di Stefano, lic. phil. / MA UZH, Philosoph – Gerhard Salzmann, Dr. med., Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (in eigener Praxis)

Lesen Sie hier, was andere Leute zu unseren Thesen und Forderungen meinen.


Sie können sich auf unserer Webseite als Unterzeichner dieses Manifests aufführen lassen oder unsere Forderungen kritisch kommentieren. Wenn Sie das untenstehende Formular ausfüllen, wird Ihr Name zu den oben genannten Unterzeichnern hinzugefügt. Ihre Kommentare veröffentlichen wir, wenn Sie im entsprechenden Menu (siehe unten) „Ja“ auswählen:

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Was andere Personen zu unserem Manifest sagen:

Dr. med. Max Giger nimmt im Folgenden zu den einzelnen Forderungen Stellung:

1. Ausblendung unserer Grenzen

  • Es besteht kein „Recht auf eigenen Nachwuchs“.
    • „Social Freezing“ ist abzulehnen. Allfällige darauf zurückzuführende medizinische Komplikationen bei Mutter und Kind dürfen nicht zu Lasten der OKP übernommen werden.
    • Eizellspende und Leihmutterschaft sind abzulehnen. Allfällig darauf zurückzuführende medizinische Komplikationen bei Mutter und Kind dürfen nicht zu Lasten der OKP übernommen werden.
    • Uterustransplantationen sind abzulehnen. Allfällige darauf zurückzuführende medizinische Komplikationen bei Mutter und Kind dürfen nicht zu Lasten der OKP übernommen werden.
  • Keine „Lebenserhaltung/Lebensverlängerung bei aussichtloser/palliativer Situation“, wenn dies entscheidungsfähige Kranke verlangen.
  • Bei fortgeschrittenen bösartigen Erkrankungen sollten keine sog. Zweit- und Drittlinientherapien als Off-Label-Use bzw. mit ungenügender wissenschaftlicher Evidenz (u.a. einzig klinische Studien der Phase II) durchgeführt werden.

2. Behandlungsextremismus

  • Keine Ausweitung der Krankheitsbegriffe („Diseasemongering“), wie dies u.a. bei Müdigkeit, Obstipation, Abdominalbeschwerden, sog. Verhaltensstörungen und sog. Pathologischen Werten der Blutlipide erfolgt.
  • Keine Leistungsverbesserung (Enhancement) zulasten der OKP

3. Fortschrittsgläubigkeit

  • Registrierung neuer Arzneimittel durch Swissmedic erst nach klinischer Testung in den epidemiologisch relevanten Populationen (u.a. Einbezug behandelter weiterer Erkrankungen  sog. „Komorbiditäten“ bei Patienten über 50 Jahre, Einbezug von Patienten bis Alter 90 Jahre) mit klinisch relevanten Endpunkten und Einbezug der Lebensqualität (u.a. keine Surrogate, Einsatz wissenschaftlich anerkannter und validierter Messmethoden) in drei randomisierten vergleichenden Studien (Head-to-Head mit aktueller Therapie) mit mindestens 500 Teilnehmenden, nachdem in mindestens einer prospektiven randomisierten Studie klinisch relevante Superiorität gegenüber Placebo gezeigt wurde und alle sog. Positiven und Negativen Resultate publik gemacht wurden.
  • Zulassung neuer Medizinprodukte, neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden erst nach klinischer Testung mit klinisch relevanten Endpunkten in den epidemiologisch relevanten Populationen in drei randomisierten Studien mit mindestens 500 Teilnehmenden
  • Übernahme der Kosten neuer registrierter Arzneimittel, Medizinprodukte und Untersuchungs- und Behandlungsmethoden durch die Obligatorische Krankenpflegeversicherung unter folgenden Voraussetzungen
    • Nachweis klinisch relevanter Superiorität gegenüber aktueller Therapie, u.a. gegenüber generischer Therapie, bzw. Nachweis eines relevanten Mehrnutzens für Patientinnen
    • Es wird einzig der klinische Zusatznutzen (im Vergleich zur aktuellen Therapie) bezahlt, u.a. gegenüber generischer Therapie.
    • Klinisch relevante wissenschaftlich belegte Superiorität neuer Methoden gegenüber bestehenden, d.h. relevanter Nutzen für Patientinnen
  • Übernahme einzig der Kosten des effektiven Mehrnutzens für Patientinnen neuer Kombinationstherapien (u.a. Onkologie, Infektionskrankheiten, Rheumatologie, Multiple Sklerose), d.h. keine Addition der Kosten der einzelnen Komponenten.

Die klinische Forschung in epidemiologisch gewichtigen und in sog. Randgebieten (u.a. Depression, Demenz, Palliativmedizin, Orphan Diseases, Pädiatrie) soll an den Universitäten als Wissenszentren unter Einbezug der dezentralen Leistungserbringenden durch den Bund massgeblich gefördert werden

4. Fehlende Priorisierung

  • Die Kosten für Leistungen im Rahmen der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung müssen entsprechend dem wissenschaftlich nachweisbaren Grad der Evidenz des klinischen Nutzens und den Prinzipien der Solidarität übernommen werden. So sollen Kosten für Leistungen mit geringem Kosten-Nutzen-Verhältnis und für Bagatellbeschwerden tief priorisiert, ggf. nicht übernommen werden.
  • Arzneimittel mit geringem Kosten-Nutzen-Verhältnis zur Behandlung von Bagatellbeschwerden wie u.a. „Mittel für empfindliche Haut“ sollen nicht mehr von der OKP übernommen werden.
  • In Palliativsituationen mit gemäss aktuellem Wissen- und Erfahrungsstand deutlich eingeschränkter Lebenserwartung und explizit bekundetem Willen der entscheidungsfähigen Patientin auf Ausschluss lebensverlängernder Massnahmen sollen keine präventive oder kurative lebensverlängernde Therapien angewandt werden.
  • Die medizinischen Fachgesellschaften (Eidgenössische Facharzttitel und FMH-Schwerpunkttitel) und die Repräsentantinnen der Pflegeberufe müssen – ähnlich wie im Rahmen des „Choosing wisely“ in den USA – in ihrem Spezialgebiet je zehn Untersuchungen oder pflegerische bzw. therapeutische Massnahmen nennen, die strenger indiziert bzw. nicht mehr angewandt werden sollen. Die Erarbeitung dieser zehn Punkte bzw. Massnahmen soll bis Ende 2015 erfolgen und durch den Bund koordiniert werden.
  • Kontrollen nach Abschluss der Therapie, u.a. nach Behandlung von malignen Erkrankungen oder nach traumatologisch-orthopädischen Eingriffen sollten – ausser bei Teilnahme an registrierten klinischen Studien – einzig bei Wiederauftreten von Beschwerden bzw. anhaltenden Beschwerden durchgeführt werden.

5. Gefährdung der Solidarität

  • Wissenschaftlich evidentes und gesellschaftlich anerkannt gesundheitsschädigendes Verhalten, namentlich Nikotin- und Alkoholkonsum,  soll im Rahmen der epidemiologischen und die Gesundheitskosten belastenden Bedeutung direkt in Form einer Konsumsteuer, namentlich auf allen alkoholhaltigen Getränken und Nikotinprodukten, zugunsten der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung besteuert werden.
  • Präventive, kurative, lebensverlängernde und palliative Massnahmen mit hohem Nutzen-Kostenverhältnis sollen von allen Versicherten gleichermassen eingefordert werden können.
  • Die Genomik darf nicht zu einer „Orphanisierung der Medizin“, d.h. Aufteilung von heute anerkannten Krankheitsentitäten in kleine und kleinste Subtypen, namentlich Aufteilung onkologischer Krankheiten des Erwachsenen, führen.
    • In diesem Sinne ist die Definition der seltenen Krankheiten (Orphan Diseases) wie folgt abzuändern: „Tritt im Kindesalter bzw. in seltenen Fällen als Spätform bei Erwachsenen in weniger als fünf Fällen auf 10‘000 Einwohner auf. Subtypen von insgesamt häufigen Erkrankungen, insbesondere von Tumorerkrankungen und malignen hämatologischen Erkrankungen beim Erwachsenen sind ausgeschlossen.“

6. Kommerzialisierung

  • Der individuelle Mensch muss Vorrang vor der Fallpauschale haben, d.h. die Fallpauschale muss dem Patienten angepasst werden und nicht das Gegenteil.
  • Die Methoden zur Erfassung medizinischer und pflegerischer Leistungen müssen benutzerfreundlicher und einfacher gestaltet werden, so dass mehr Zeit für die patientenorientierten Handlungen resultieren und nur noch Bruchteile des jetzigen Zeitaufwands aufgebracht werden müssen.
  • Die Leistungen im Bereiche der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung müssen unabhängig von Interessen anderer Bereiche (u.a. Produktivität des Gewerbes und Beschäftigungsgrad im Einzugsgebiet von Krankenhäusern, Aussenhandel) und kommerziellen Interessen der Stakeholder (u.a. Gewerbe, Pharma- und Medizinprodukteindustrie, Ärzte- und Apothekerschaft) bewertet bzw. finanziell abgegolten werden.
  • Es soll eine Abkehr vom Einzelleistungstarif in der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung erfolgen dergestalt, dass für jede Leistungssparte Bandbreiten der effizienten Leistungserbringung pro Zeiteinheit definiert werden.
  • Das Spitalwesen muss horizontal integriert werden durch Zusammenlegen und/oder durch Vernetzen einzelner Spitäler gemäss dem regionalen gesetzlichen Bedarf (Gesundheitsgesetze), um Ressourcen zu optimieren und anbieterbedingte Überkapazitäten im Angebot medizinischer Leistungen abzubauen.

7. Undurchsichtigkeit

  • Schaffung eines einheitlichen zentralen Gesundheitsregisters (analog Krebsregister) durch den Bund mit dezentraler Erhebung, um umfassende Gesundheits- und Leistungsdaten zu erfassen, die für die Beurteilung der Behandlungsqualität, der Patientensicherheit und der effizienten  Verteilung der Ressourcen notwendig sind.
  • Es sollen einzig Heilmittel und Untersuchungs- und Therapiemethoden zu Lasten der Obligatorischen Grundversicherung eingesetzt werden, über die wissenschaftlich relevante Daten zu allen durchgeführten und laufenden klinischen Studien (u.a. negative und positive Resultate)  und die darauf basierenden Entscheidungen der Registrierungsinstanzen und Zulassungsinstanzen (u.a. Swissmedic, BAG) öffentlich zugänglich sind.
  • Es sollen nebst transparenten medizinisch-ökonomischen Kriterien allgemeingültige ethische Kriterien in die abschliessende Beurteilung der Leistungspflicht der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung einfliessen.
  • Es müssen zusätzlich zu den breit abgestützten QUALYs weitere medizinisch-ökonomische Methoden mit grosser Spezifität und Validität zur Messung des klinischen Nutzens entwickelt werden.

8. Fehlende Gesundheitskompetenz

  • Schaffung eines Internetportals zur Orientierung der Bevölkerung über Gesundheitsfragen (u.a.. Orientierung über Prävention, Verhalten, Diagnostik und Therapie häufiger Beschwerden und Erkrankungen) unter Ägide des Bundes
  • Schaffung einer Sammlung von auf das Schweizer Gesundheitssystem adaptierten Guidelines zur Diagnostik und Therapie häufiger Beschwerden und Erkrankungen unter Ägide des Bundes in Zusammenarbeit mit den medizinischen Fachgesellschaften (Facharzttitel und Schwerpunkte) und Vertreterinnen der Pflege- und Therapieberufe.
  • Ärztinnen und Ärzte sollen sich anlässlich der Facharztprüfung (Erwerb des eidgenössischen Weiterbildungstitels) über vertiefte Kompetenzen (im Vergleich zum Zeitpunkt der Diplomerteilung als Arzt) in Kommunikation und in medizinisch-klinischer Entscheidungsfindung („Clinical Decision Making“)  sowie über vertiefte Kenntnisse des Arzneimittel- und Krankenversicherungsrechts ausweisen, um die Patientinnen und Patienten kompetent beraten zu können.
  • Ärztinnen und Ärzte mit anerkannten ausländischen Weiterbildungsdiplomen dürfen erst nach Bestehen einer mündlich-praktischen Prüfung in Kommunikation und in medizinisch-klinischer Entscheidungsfindung („Clincal Decision Making“) sowie Nachweis vertiefter Kenntnisse des Schweizerischen Arzneimittel- und Krankenversicherungsrechts zur selbständigen Tätigkeit zu Lasten der OKP zugelassen werden.

9. Überlastung

  • Es sollen familienfreundliche Arbeitsplätze (u.a. Krippen mit arbeitsplatzadaptierten Öffnungszeiten) geschaffen werden
  • Es sollen Möglichkeiten zum beruflichen Wiedereinstieg nach Familienpause (u.a. Stellen für Fachärztinnen/-ärzte mit fachlicher Supervision) geschaffen werden
  • Es sollen Stellen mit reduziertem Pensum, mit weniger körperlicher und psychischer Belastung und ohne Bereitschaftsdienste für Personen über 50 Jahre geschaffen werden
  • Die Leistungen im Gesundheitswesen sollen im Team durch die Berufsleute entsprechend ihren fachlichen Kompetenzen bzw. Skills übernommen werden („Skillmix“)
    • Zur Entlastung der Haus- und Kinderärztinnen soll die Abgabe von Arzneimitteln flächendeckend entsprechend der ausgewiesenen fachlichen Kompetenz durch Offizinapothekerinnen übernommen werden. Dadurch können wöchentlich 8-10 Stunden für die ärztliche Tätigkeit geschaffen werden.
    • Zur Entlastung der Psychiater soll die psychotherapeutische Behandlung, namentlich von Patientinnen mit leichten Beschwerden,  an Psychologinnen mit Weiterbildungstitel „klinische Psychologie“ oder „Psychotherapie“ delegiert werden.
  • Bei der Betreuung und Pflege in der Mobilität eingeschränkter Patienten sollen Hilfsmittel eingesetzt und entwickelt werden, um bei den Pflegenden körperliche Beschwerden vorzubeugen (u.a. Rückenbeschwerden des Pflegepersonals in geriatrischen Institutionen)
  • Für die Aus- und Weiterbildung sollen im Stellenbeschrieb sowohl der Aus- und Weiterzubildenden als auch der Lehrpersonen Auftrag und die dazu notwendigen Ressourcen (u.a. Zeit) aufgeführt werden. Die entsprechenden Kontrollen erfolgen im Rahmen des Qualitätsmanagements.

10. Verantwortungsverlust

  • Die Würde des Patienten, namentlich des unruhigen an fortgeschrittener Demenz leidenden, ist höher zu gewichten als die Belastung der Pflegenden. In diesem Sinne sollen Sedativa oder Neuroleptika einzig in klinisch nicht anderweitig beherrschbaren Ausnahmesituationen (Selbst- oder akute Fremdgefährdung) angewandt werden.
  • In medizinischen und pflegerischen Institutionen sollen für die Ärzteschaft, die Pflegenden und das Therapiepersonal allgemeine Richtlinien zur Kommunikation und patientenorientierten Leistungserbringung im Team erarbeitet, vermittelt und gelebt werden. Als Vorbild können die Abläufe in medizinischen Rehabilitationskliniken oder die Visitenstandards der Medizinischen Universitätsklinik Basel dienen.
  • Das Weiterführen der giesskannenartigen Leistungserbringung in kleinen über 26 Einheiten verteilten Krankenhäusern ist nicht mehr zu verantworten. Angesichts der sich abzeichnenden personellen Engpässe im ärztlichen und pflegerischen Sektor sollen personalintensive und lebenserhaltende Leistungen, die während 24 Stunden pro Tag erbracht werden müssen, einzig an Zentren mit entsprechender Auslastung und Kompetenz erbracht werden.  So sollten u.a.
    • Zentren eine Region mit mindestens 300‘000 Einwohnern versorgen.
    • Geburtsabteilungen mindestens 800 Geburten pro Jahr  durchführen
    • kardiochirurgische Abteilungen mindestens 800 grössere Eingriffe pro Jahr durchführen.

Dr. med. Max Giger, Winterthur

Die zehn Punkte des Manifestes sprechen mir aus dem Herzen und aus dem Verstand. Pkt. 4 bezieht sich auf einen heiklen Aspekt, gerade in Bezug auf eine ständig höhere Lebenserwartung. Ist es ethisch vertretbar, einem über 80-jährigen Menschen einen Herzschrittmacher einzusetzen, etc… Wir sollten und müssen unsere Grenzen und Verantwortlichkeiten neu überdenken. Ich wünschte mir mehr öffentliche Diskussionen betreffend ethischen Gesichtspunkten wie auch der (kriminellen) Rolle der Pharmaunternehmen im Gesundheitswesen.

Sabine Schultz, Ethnologin, 20. Februar 2015

Dieses Manifest unterstütze ich sehr gerne!

Lotte Arnold-Graf, Geschäftsführerin SPO Patientenschutz, 25. Juni 2014

Wichtig, wertvoll, wesentlich

Michael Rogner, Pflegewissenschaftler, 3. Juni 2014

So differenziert Stellung zu beziehen bei heiklen Fragestellungen ermöglicht den öffentlichen Dialog, damit unser Gesundheitswesen sich menschenfreundlich entwickelt.

Maja Hiltbrunner Ahr, Hebamme HF/Pflegeexpertin MScN, 27. Mai 2014

Tagtäglich sehe ich mich mit der fast schon krankhaften Überversorung von Menschen konfrontiert. Ob daran nun die Ärzte, die Angehörigen, die Pflegenden oder die Patienten selbst Schuld tragen, spielt keine Rolle. Eine bessere Information unter anderem in Form dieses Manifests ist dringend nötig, um unnötiges Leiden zu verhindern. Nur so kann die Pflege wieder zu ihrem ursprünglichen Fokus zurückfinden – Leiden zu lindern.

Leandra Kissling, Studierende Pflegefachfrau HF im 2. Ausbildungsjahr, 24. Mai 2014

Endlich tut sich was gegen diesen Wahnsinn Gesundheit – schon wieder mehr als 5% Kostensteigerung

Theresia Wenk, dipl. Pflegefachfrau HF, 14. Mai 2014

Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen im Gesundheitswesen bedingt die Bereitschaft, eigenes Handeln, aber auch eigene Ansprüche kritisch zu reflektieren und neben dem Blick für das Individuum, den Blick für das ganze System nicht zu verlieren.

Peter Wolfensberger, Pflegeexperte MScN, Pflegewissenschaftler, 2. Mai 2014

Als ehemaliger Direktor der Klinik für Neonatologie wurde ich hautnah mit dieser Problematik konfrontiert und stehe deshalb voll hinter dem Manifest.

Hans Ulrich Bucher, Emeritierter Ordinarius für Neonatologie, Universität Zürich, 26. April 2014

Diese Initiative ist überfällig! Hoffentlich wird etwas damit erreicht!

Brigitta Klaas Meilier, Autorin, 25. April 2014

Es ist lobenswert, dass Dialog Ethik das Problem der „Ausblendung unserer Grenzen“ (Punkt 1 des Manifestes) aufgegriffen hat. Es ist schade, dass Dialog Ethik nicht riskiert hat eines der Kernprobleme – wenn nicht dasKernproblem überhaupt – beim Namen zu nennen:

Die Grenze, die wir (in westlichen oder westlich geprägten Gesellschaften) schon lange nicht mehr ziehen, sondern nach Kräften zu verschleiern suchen, ist die zwischen Krankheit und Alter. Bekannt ist, dass die höchsten Medizin-Kosten in den letzten Lebensmonaten anfallen, dann, wenn der Tod schon absehbar, aber offensichtlich noch nicht akzeptierbar geworden ist. Dazu  nur einige Blitzlichter:

  • Fast alle grossen (und kostenintensiven) „Volkskrankheiten“ befallen den „modernen“ Menschen meistens erst in einem schon fortgeschrittenen Alter. Oder anders ausgedrückt: wir missverstehen, bzw. deklarieren als Krankheit, was damit zu tun hat, dass sich auch Menschen (auf unterschiedliche Weise, aber in statistisch klar abgrenzbaren Kohorten) physisch und psychisch „verbrauchen“.
  • Gleichwohl führen wir nicht selten ziemlich heuchlerisch anmutende Debatten darüber, ob Menschen, die ihre eigene Zersetzung bei lebendigem Leib nicht akzeptieren wollen, ein Recht haben und die Möglichkeit – oder noch viel „anmassender“ – sogar Unterstützung erhalten sollen, einen würdigen, selbst-bestimmten und aufgeklärten  „Ausgang aus der drohenden Unmündigkeit als Pflegefall“ zu wählen.
  • Gemäss einer deutschen Studie hat das Personal in der Altenpflege im Vergleich zu anderen Pflegeberufen eine doppelt so hohe Krankheitsabstinenz. Das hat sicher mehr als eine Ursache. Könnte nicht eine Teilursache aber auch sein, dass die Pflege von Menschen, die nur noch mit apparativer und pharmazeutischer Unterstützung überhaupt noch existieren können, eine unzumutbare Überforderung der damit Betrauten ist?
  • Schliesslich noch eine „global-ethische“ Anmerkung: Die Sorge um „unser“ Gesundheitswesen erscheint aus einer Sicht, bei der Menschenrechte nicht an Landesgrenzen enden, als egoistisches Jammern auf hohem Niveau (und Angst ums eigene Portemonnaie). Welchen Wert hat das Leben eines Kindes, das heute in Syrien geboren wird? Ohne zynisch sein zu wollen, muss man realistischer Weise feststellen: Menschliches Leben ist kein knappes Gut (über 8 Milliarden). Knapp ist das gute Leben. Das zu erwartende (zu befürchtende) Leben des syrischen Kindes könnte trotz seiner miserablen Prognose noch zum Guten gewendet werden (wofür wir uns ja immerhin verbal einsetzen), das des künstlich am Leben erhaltenen Patienten im 5-Sterne-Pflegeheim bei allem (nicht bloss verbalen) Aufwand nicht.

Max Baumann, emeritierter Titularprofessor für Rechtsphilosophie, Rechtsphilosophie und Privatrecht (Universität Zürich), 22. April 2014

Ein wichtiger Beitrag für die Diskussionen im Gesundheitwesen! Danke

Paola Massarotto, MScN, Stationsleitung Intensivstation, 18. April 2014

Ich hoffe dieses Manifest findet Gehör und breite Unterstützung. Im heutigen Machbarkeitswahn werden mahnende Stimmen oft überhört.

Manfred Kleist, Leiter Pflege / MTT, 17. April 2014

dialog-gesundheit Schweiz denkt seit Jahren gemeinsam mit Patienten, Angehörigen und Bevölkerung sowie interessierten Profis über die Entwicklung im Gesundheitswesen nach. Wir brauchen Mut zur Veränderung anstatt noch mehr Mittel für den Machtkampf. Gemeinsam haben wir in der Gemeinde Zollikofen sehr viel gelernt – das ist gelebtes individuelles und kommunales Empowerment. Mögen den Worten Taten folgen!

Michael Deppeler, Dr. med., 14. April 2014

Die Forderungen sind mehr als berechtigt und zugleich utopisch. Das soll uns nicht hindern, ab sofort an ihrer Umsetzung zu arbeiten. Wer weiss wie?

Hansueli Schläpfer, Dr. med., 7. April 2014

Das Manifest leistet einen sehr wichtigen Beitrag für die interdisziplinäre Diskussion im Gesundheitswesen.

Barbara Züst, lic. iur. / Pflegefachfrau und Co-Geschäftsführerin SPO, 3. April 2014

Ich wünsche mir, dass das Manifest Beachtung findet und die nötigen wichtigen Gespräche in unserer Gesellschaft in Gang kommen. Danke!

Klaus Stahlberger, Pfarrer, Gerontologe und Heimseelsorger, 2. April 2014

Das Manifest sehe ich als gelungene Wegweisung zu einer hohen Gesundheitskompetenz mit gutem Leben und Sterben für alle.

Beat Knecht, ehem. Chefarzt Rehabilitationszentrum Kinderspital Zürich, Präsident Förderverein Dialog Ethik, 25. März 2014

Solider Ansatz: Beschränkung sichert Überleben

Hans Jürg Jakob, Dr. oec., 26. März 2014

Das Manifest sehe ich als gelungene Wegweisung zu einer hohen Gesundheitskompetenz mit gutem Leben und Sterben für alle.

Beat Knecht, ehem. Chefarzt Rehabilitationszentrum Kinderspital Zürich, Präsident Förderverein Dialog Ethik, 25. März 2014

Ich finde es super, dass sich endlich jemand dieser im Gesundheitswesen so wichtigen Themen annimmt. All diese Thesen und Forderungen sind meines Erachtens sehr unterstützendswert und notwendig – im Besonderen was die Themen Solidarität, Kommerzialisierung und der zunehmenden Überbelastung des Gesundheitspersonal betrifft. Hier wäre dringend eine Infragestellung und entsprechendes Umdenken angesagt. Herzlichen Dank für die Erarbeitung dieses Manifestes!

Sandra Fust, dipl. Pflegefachfrau HF, Bildungsverantwortliche, 24. März 2014

Fortschritte können materieller wie auch geistiger Art sein, das Geistige darf dem Materiellen nicht verloren gehen, sonst führt der Weg in die Irre! Nehmen wir uns das zu Herzen und suchen die Fortschritte auch auf spirituellen Wegen wird das Ganze automatisch begrenzt und wieder stimmiger. Weil wer spirituell denkt, sieht, dass es nicht um das Wohl des Einzelnen geht, sondern alles zusammenhängt. Nehmen wir uns diese Zeit und entwickeln uns!

Heidi Mettler, dipl. Psychologin FH / Zen Nonne, 24. März 2014

Masshalten auf Patientenseite ist so wichtig wie Effizienz- und Qualitätsorientierung auf Leistungserbringerseite, weil nichts unethischer und teurer ist als die Verschwendung von Ressourcen.

Felix Schneuwly, lic. phil. I Psychologe / Executive MBA, 24. März 2014

Muss immer alles, was möglich ist auch gemacht werden? Wäre weniger, dafür Patientenangepasst doch mehr?

Cristina Guidese, dipl. Pflegefachfrau HF, 24. März 2014

Dringend nötig, wenn auch vermutlich nicht imstand, das Rad der Zeit zurück zu drehen.

Kurt Urfer, Arzt, 23. März 2014

Wo im Gesundheitswesen wieder Vertrauen Eingang findet, wächst auch das Bewusstsein gemeinsamer Verantwortung. Das vorliegende Manifest bringt’s an den Tag, was im gesellschaftlichen Dialog dringend beachtet werden soll. Menschen sind weder kommerzielle noch maschinelle Wesen – sie sind Zeit ihres Lebens begrenzt und leben von Solidarität, Zuwendung und Hoffnung.

Stephan Schmid-Keiser, Dr. theol., 22. März 2014

Sie sprechen das an, was ich immer denke und was mich als Ausbildnerin von Pflegenden und als Mitglied der Ethikkomission einer Universitätsklinik in besonderer Weise bedrängt. Danke, dass Sie mir und dem Denken vieler eine Sprache verliehen haben. Dies bestärkt mich den Diskurs darüber mit Auszubildenden aber auch Kollegen konstruktiv weiter zu führen und einem sich ausbreitenden Zynismus und einer Polemik zu begegnen.

Elisabeth Püllen, dipl. Pflegepädagogin, 21. März 2014

Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens gefährdet die Solidarität. Das Manifest setzt ein wichtiges Zeichen. Die Art und Weise, wie wir Sorge tragen zu Mitmenschen, die nicht leistungsfähig, krank und verletzlich sind zeigt die Stärke unserer Gesellschaft.

Monika Obrist, Pflegefachfrau, Co.-Präsidentin Palliative zh+sh, 20. März 2014

Sehr wichtig und höchste Zeit.

Carola Meier-Seethaler, Dr. phil., Psychotherapeutin, 20. März 2014

Auf so etwas habe ich schon lange gewartet.

Henrique Schenkel, Dr. med., Psychiater FMH, 20. März 2014

Seit Sparen in den 1990er Jahren zum politischen Programm erhoben wurde und inzwischen auf der Agenda keiner Partei mehr fehlt, hat eine Entsolidarisierung und Kommerzialisierung in unserer Gesellschaft Fuss gefasst, die vielen Menschen das Leben zusehends schwerer macht. Ich bin froh um Menschen, die sich wie in diesem Manifest dieser Entwicklung entgegenstellen, damit das Leben – auch in der Wohlstandsgesellschaft – für die Einen wieder lebenswerter und für die Anderen wieder machbarer wird.

Friedwart Storto, Dipl. Pflegefachmann, Lehrer, Schulleiter, 20. März 2014

Endlich können Interessierte sich an fundierten Vorgaben, nach praktisch errungenem Erfahrungsschatz massstabsgetreu “ich und die Anderen” vergleichen. Das ist sehr gut so…Wenn dises Leben nur bewertet wird nach Mobilität und Bauvolumen, so wundere ich mich nicht über stets neue wundersame Eindrücke zu den Bedürfnissen gewisser Mitmenschen der unteren und oberen Hierarchien. Es ist gut, dass es den Planeten Erde gibt, so können wir uns Menschen nach allem persönlichen Gutdünken austoben. Wo sonst könnten wir (die Menschheit), so direkt mit dem Leben “Zeuserlis” spielen??? Die Kraft oder Macht, der “BigBang”, was auch immer fördert Fortpflanzung nicht, aber verbietet sie auch nicht.

Niklaus Gubler, Rentner, Pensionär, 20. März 2014

Ein wertvolles und wichtiges Manifest. Ich hoffe, es regt zu viele Gespräche an und hilft, die Begrenzungen gelassener zu nehmen und fördert die nachbarschaftliche Solidarität!

Thomas Gröbly, Theologe und Ethiker MAE, 20. März 2014

Wichtige Themensetzung auch in Bezug Mitverantwortung der Leistungserbringer (Berufsethik) und Gesundheitsversorgung als öffentliches Gut.

Bruno Suter, Pflegefachmann als Stationsleiter in einem Geriatriespital, 20. März 2014

Finde das Manifest hervorragend und es bedarf dringend der Umsetzung der Forderungen. Auch oder besonders für Deutschland wäre dies erforderlich!

Manuela Völkel, MAS Palliative Care, 19. März 2014

Das Manifest empfinde ich als sehr allumfassend in allen Dimensionen des Gesundheitswesens. Ich hoffe es bekommt die Beachtung, welche es verdient.

Florian Lüthi, dipl. Pflegefachmann HF, 19. März 2014

Ich bin mit den Forderungen einverstanden, aber etwas skeptisch betreffend ihrer Realisierbarkeit. Die Steuerung via obl. Krankenkasse kann zu sozialer Ungerechtigkeit führen.

Werner Sieber, pens. Chemiker, 19. März 2014

Gott, Geld und Gesundheit zeichnen sich durch eine Gemeinsamkeit aus: Man kann nie genug davon bekommen – vor allem, wenn das 40. Altersjahr vorbei ist. Diese Erfahrung macht uns anfällig auf “Ganzheits-Versprechen” (theologisch: Paradiesvorstellungen) – und dafür sind Menschen bekanntlich bereit, alles zu geben und jedes Opfer zu bringen. Gesundheitspolitik wird in diesem Blick sehr schnell zum “Hochamt” für die “Göttinnen” Geld und Gesundheit. Doch nicht Gesundheit steckt hinter den Anstrengungen, die uns in ihrem Namen auferlegt werden, sondern Defizit-Pflege! Nicht wegen der Gesundheit muss ich ins Fitness, sondern weil mein Körper defizitär ist. Die Kritik an solchen Vorstellungen ist darum dringend nötig. Denn Sinn-Fragen und Fragen des Masses müssen von aussen an das System herangetragen werden. Das Manifest wirft diese Fragen auf.

Dr. theol. Thomas Wallimann-Sasaki, Sozialethiker, 19. März 2014

Sinnvoll und nötig.

Konrad Maurer, Zeitungsverleger, 19. März 2014